Key Findings
  • Der letzte Schritt im GenAI-Praxispfad ist „Erfolge messen und Werte kommunizieren" — Zeitersparnis, Qualitätsverbesserung der Ergebnisse, Nutzerakzeptanz und Return on Investment verfolgen und der Führungsebene konkrete Resultate berichten[8]
  • KPMG schlägt ein Drei-Phasen-Modell vor: Enable (Befähigen) → Embed (Einbetten) → Evolve (Weiterentwickeln) — vom KI-Pilotprojekt zur Neugestaltung des Geschäftsmodells[1]
  • Die drei Kernoutputs einer KI-Projektgesamtarchitektur: Business-Architektur (Strategieausrichtung), Technologie-Architektur (Infrastruktur), Daten-Architektur (Data Governance)[6]
  • Taiwans iPAS-Zertifizierung zum KI-Anwendungsplaner deckt die drei Bereiche KI-Einführungsbewertung, Planung und Risikomanagement ab[4]

1. Warum Sie eine GenAI-Praxis-Roadmap brauchen

Die globale KI-Umfrage von McKinsey aus dem Jahr 2024 zeigt, dass 72 % der Unternehmen KI bereits in mindestens einem Geschäftsbereich einsetzen, aber weniger als 20 % eine erfolgreiche skalierte Bereitstellung erreicht haben.[8] Wo liegt die Lücke? Es fehlt nicht an technischer Kompetenz, sondern an einem systematischen Praxispfad.

Ohne Roadmap wird die KI-Einführung in Unternehmen häufig zu einem Flickenteppich: hier ein PoC, dort ein Tool — jede Abteilung agiert auf eigene Faust, und am Ende lassen sich die vereinzelten Pilotprojekte nicht zu echtem Geschäftswert zusammenführen.

2. Das Sechs-Phasen-Framework für die GenAI-Praxis in Unternehmen

Basierend auf den Methodiken internationaler Beratungshäuser wie KPMG, Gartner und PwC lässt sich die GenAI-Praxis in Unternehmen in die folgenden sechs Phasen einteilen:[1][5]

Phase 1: Niedrig hängende Früchte identifizieren (Identify Low-Hanging Fruit)

In bestehenden Prozessen die Aufgaben finden, die sich am leichtesten durch GenAI beschleunigen lassen — in der Regel hochrepetitive, zeitintensive Tätigkeiten wie Dokumentenzusammenfassungen, Entwürfe und Informationsaufbereitung. Ziel ist es, innerhalb von 2–4 Wochen eine konkrete Produktivitätssteigerung nachzuweisen.

Phase 2: Self-Service-Fähigkeiten aufbauen (Enable Self-Service)

Einen sicheren, kontrollierten Zugang zu GenAI-Tools bereitstellen, damit Mitarbeitende KI-Anwendungen nach eigenen Bedürfnissen gestalten können. CloudMile betont, dass die Klärung des Kernproblems, das KI lösen soll, der Schlüssel in dieser Phase ist.[7]

Phase 3: Eine Lerngemeinschaft aufbauen (Foster Learning Community)

Interne Peer-to-Peer-Wissensaustausch-Mechanismen etablieren — Erfolgsgeschichten-Videos, Experten-Sprechstunden, interne Foren —, damit Erfahrungen mit KI-Anwendungen schnell diffundieren. PwC Taiwan verfolgt den Ansatz, Mitarbeitende durch vier Strategien zu befähigen: Grundlagenwissen aufbauen, Innovationskultur prägen, interne Anwendungen vertiefen und externen Wert erschließen.[3]

Phase 4: Klein starten, schnell skalieren (Start Small, Scale Fast)

2–3 fokussierte Pilotprojekte auswählen, messbare Ziele definieren und schnell iterieren. Nach dem Pilotierungserfolg sofort auf andere Abteilungen ausweiten.

Phase 5: Bedenken proaktiv adressieren (Address Concerns Proactively)

Ein funktionsübergreifendes Team zusammenstellen, das technische Kompetenzlücken, Systemintegrations-Herausforderungen sowie Datenschutz- und Compliance-Fragen bearbeitet. Gartner definiert den Schwerpunkt dieser Phase als den Aufbau eines KI-Governance-Frameworks.[6]

Phase 6: Erfolge messen und Werte kommunizieren (Measure & Communicate Success)

Dies ist der letzte Schritt im GenAI-Praxispfad — und gleichzeitig der am häufigsten übersehene.

Die zu verfolgenden Kernkennzahlen umfassen:

Entscheidend ist: Diese Ergebnisse regelmäßig an die Unternehmensführung kommunizieren, damit der Wert der KI-Investition sichtbar wird und die kontinuierliche Ressourcenunterstützung gesichert ist.[8]

3. KPMG-Drei-Phasen-Modell: Enable → Embed → Evolve

Das von KPMG vorgeschlagene Drei-Phasen-Modell für die KI-Transformation in Unternehmen beschreibt aus einer makrostrategischen Perspektive die Evolution der KI-Reife einer Organisation:[1]

PhaseSchwerpunktTypische Aktivitäten
Enable (Befähigen)KI-Grundfähigkeiten aufbauenKI-Verantwortlichen ernennen, Strategie definieren, wertvolle Szenarien identifizieren, Pilotprojekte starten, KI-Kompetenz steigern
Embed (Einbetten)KI in Arbeitsabläufe integrierenUnternehmensweite Mitarbeiter-Reskilling, KI in Betriebsmodelle einbetten, AI Agents bereitstellen, Infrastruktur modernisieren
Evolve (Weiterentwickeln)Geschäftsmodelle neu gestaltenKI zur Lösung branchenweiter Herausforderungen nutzen, unternehmensübergreifende Wertschöpfungsketten integrieren, Spitzentechnologien erkunden

4. Die drei Kernoutputs einer KI-Projektgesamtarchitektur

Gartners AI-Roadmap-Framework besagt, dass ein vollständiges KI-Projekt drei zentrale Architekturdokumente hervorbringen sollte:[6]

  1. Business-Architektur (Business Architecture): Wie die KI-Strategie mit den Unternehmenszielen übereinstimmt, welche Geschäftsprozesse prioritär eingeführt werden und welcher geschäftliche Wert erwartet wird
  2. Technologie-Architektur (Technology Architecture): Auswahl der KI-Infrastruktur (Cloud/Hybrid/On-Premises), Modellauswahl, MLOps-Pipeline-Design
  3. Daten-Architektur (Data Architecture): Data-Governance-Framework, Datenqualitätsstandards, Datenpipeline und Speicherstrategie

Die Schnittmenge dieser drei Architekturen bildet den umsetzbaren Masterplan für die KI-Implementierung im Unternehmen.

5. Taiwans KI-Management-Framework und iPAS-Prüfungsschwerpunkte

Die vom taiwanesischen Wirtschaftsministerium geförderte iPAS-Kompetenzzertifizierung zum KI-Anwendungsplaner ist derzeit eine der repräsentativsten KI-Anwendungszertifizierungen.[4]

Der Prüfungsumfang auf Mittelstufe umfasst „Bewertung und Planung der KI-Einführung" mit drei Themenbereichen:[9]

Taiwans aktuelles KI-Management-Framework verfolgt einen schrittweisen Ansatz — „erst Leitlinien, dann Gesetze". Das Exekutiv-Yuan hat den Entwurf des „Grundgesetzes für Künstliche Intelligenz" verabschiedet und plant den stufenweisen Aufbau eines Regulierungssystems.

6. Häufige Fragen zur GenAI-Einführung in Unternehmen

FrageAntwort
KMU haben ein begrenztes Budget — wie anfangen?Mit kostenlosen oder günstigen GenAI-Tools beginnen (z. B. ChatGPT Team), zunächst 2–3 Abteilungen testen lassen, nach Wertnachweis skalieren
Wie überzeugt man die Geschäftsführung, in KI zu investieren?Zunächst einen kleinen PoC durchführen und mit konkreten Zahlen argumentieren (wie viel Zeit gespart, wie stark die Fehlerquote gesunken ist)
Schlechte Datenqualität — kann man trotzdem KI einsetzen?Man kann mit GenAI-Anwendungen beginnen, die nicht auf interne Daten angewiesen sind (z. B. Dokumentenzusammenfassungen, Übersetzungen), und parallel Data Governance starten
Was tun, wenn Mitarbeitende KI ablehnen?Betonen, dass KI ein „Werkzeug" und kein „Ersatz" ist; mit freiwilligen Vorreiter-Teams beginnen und andere durch Erfolgsgeschichten überzeugen
Lohnt sich die iPAS-Zertifizierung zum KI-Anwendungsplaner?Ja. Es handelt sich um eine vom taiwanesischen Wirtschaftsministerium geförderte Industriezertifizierung, die PMs, Marketern und Führungskräften ein systematisches Verständnis des gesamten KI-Einführungsprozesses vermittelt[4]

Fazit

Der Kern des GenAI-Praxispfads liegt nicht in der Technologieauswahl, sondern im organisatorischen Veränderungsmanagement. Von der Identifikation des ersten Use Case bis zur skalierten Bereitstellung muss bei jedem Schritt an den drei Dimensionen Mensch, Prozess und Technologie gleichzeitig gearbeitet werden.

Wenn Sie gerade die KI-Einführungsstrategie Ihres Unternehmens planen, empfehlen wir Ihnen den Artikel „GenAI-Unternehmenslandepfad" für weitere Praxisdetails. Möchten Sie erfahren, wie Sie ein erfolgreiches Proof of Concept gestalten? Dann lesen Sie den „Vollständigen AI-PoC-Leitfaden".